Gerlinger Lyrikpreis 2022

Markus Manfred Jung

Der zum vierten Mal vergebene Gerlinger Lyrikpreis der Petra Schmidt-Hieber-Literaturstiftung geht in diesem Jahr an den Dichter Markus Manfred Jung.

Die Jury - bestehend aus Michael Braun, Irene Ferchl, Walle Sayer, Hans Thill und Wolfgang Tischer - begründet ihre Entscheidung wie folgt: Markus Manfred Jung bringt die Mundart, in der er lebt, das Alemannische, in einer zeitgemäßen Art und Weise zum Klingen, zum Leuchten. Er arbeitet in seinen Gedichten mit dem Musikalischen und dem Lautmalerischen des Dialekts und erschließt mit seiner Gegenwärtigkeit Themen jenseits aller Tümelei. Indem er jedes seiner Dialektgedichte selber ins Hochdeutsche übersetzt, uns eine hochdeutsche Lesart zu jedem Gedicht anbietet, quasi zweisprachig schreibt, löst er die besondere Art von Hermetik auf, die der Mundart eigen ist, entgrenzt er diese Sprache. Für diese beeindruckende Arbeit an der Literaturfähigkeit der Mundart zeichnet ihn die Jury des Gerlinger Lyrikpreises aus.

Im BUCHER Verlag erschienene Bücher von Markus Manfred Jung: »Nebelgischt«

Der „hybride“ Text Nebelgischt entstand im Verlauf einer dreiwöchigen Wanderung vom Südschwarzwald durch die Schweiz bis an den Lago Mergozzo in Norditalien und ist dann nachsinnend fortgeschrieben worden. Sinn der nicht vororganisierten Tour „Vom Aufbrechen und Ankommen“ war, wegzugehen vom Lebensabschnitt beruflicher Pflicht hinein in die Neigung der letzten Lebensphase, allein und immer südwärts. Ausschnitte aus dem in alemannischer Mundart gehaltenen Tagebuchaufzeichnungen werden kombiniert mit standardsprachlichen essayistischen Texten zu Problemfeldern, die sich beim Wandern aufdrängen, wie z. B. Aufbrechen, Wagnis, Wehmut, Verirrung, Notdurft, Atmen, Geduld, Symbol und Aberglaube, das Böse, Ankommen ...